Über Überfluß
Gerade haben wir Denise wiedergetroffen. Denise ist Irin. Wir hatten sie in HCMCs lustiger Expatszene kennengelernt. Als wir heute in Mui Ne in einen x-beliebigen unter den tausenden Bussen einstiegen, die jeden Tag nach Norden fahren, war sie plötzlich wieder da. Gestern hatte Julian zwei andere Expats in Mui Ne wiedergetroffen, mit denen er ein paar Tage vorher noch in HCMC gesoffen hatte. Vorgestern aber passierte das größte Wunder: Als wir uns des heldenhaften 35. Jahrestags der Befreiung von Saigon wegen einmal um 9 aus dem Bett quälten, sang ich den herrlichen Schlager Wunder gibt es immer wieder. In der Tat: Als ich die Treppe zum Wohnzimmer unserer Herbergsoma herunterging, saßen da plötzlich Caroline und Anne-Laure, die zwei Französinnen, die wir einst in Rattanakiri, Kambodscha, dem offiziellen Ende der Welt, kennengelernt hatten. Unter den tausenden Herbergen in dieser Stadt hatten sie tatsächlich das einzige andere Zimmer neben unserem bei der Oma gemietet. Sie wohnten schon Tage da. Nur unser grundverschiedener Schlafrhythmus hatte uns voneinander ferngehalten.
Was wollen uns diese ganzen Wunder sagen? Abgesehen von der Erkenntnis, daß der Travellertrail in Vietnam wohl so schmal wie das Land selbst ist, sagt es mir eine Menge über den Überfluß im Universum: Die Welt ist ein gutartiger Ort für den, der im Überfluß lebt. Den Rest dieses Eintrags anzeigen.
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