Du bist frei!
Gisbert zu Knyphausen sagt: Du kannst doch gehen wohin du willst – doch du bleibst! Hast du denn keine Traueme? Bist du nicht beinahe jeden Tag wieder unzufrieden mit dir und der Welt? Jetzt bloss keine faulen Ausreden. Wir wissen doch beide bescheid ueber die simple Wahrheit, dass du tatsaechlich immer gehen kannst wohin du willst. Es ist alles nur eine Frage des Preises. Wieviel bist du bereit aufzugeben fuer den prophetischen Stern, den man Freiheit nennt? Was haelt dich in deinem einspurigen Leben gefangen?
Neulich steckte ich mal wieder fest. In einer kleinen Stadt zwischen ueberhaupt und nichts in Laos. Kein Geldautomat in der ganzen Stadt wollte Bares ausspucken. Kein Geld fuer Benzin hieß, ich stecke fest. Kein Geld fuer Essen und schlafen allerdings bedeutete Schwierigkeiten. Mal wieder war das Universum mir gnaedig und schickte mir einen Tourguide, der zuerst mein Motorrad fuer einen laecherlichen Preis erwerben wollte, dann aber nebenbei erwaehnte, dass er liebend gerne Deutsch lernen wuerde. So gab ich ihm und seinem Freund ein paar Tage lang Unterricht fuer ein paar Groschen fuer Brot und Bett.
Klar haette ich an dieser Stelle schon die Stadt verlassen koennen. Wer braucht schon Geld? Mein Motorrad fuer ein paar Kip weitergeben, Daumen raus und mich an die Strasse stellen. Aber ich hatte tatsaechlich keinen Grund dazu. Ich wollte einmal in das alltaegliche Leben einer laotischen Kleinstadt schnuppern. Mal ein Leben im laotischen Rhythmus mit laotischen Finanzen angehen. Ausserdem war mir Sa Lor, der Tourguide ans Herz gewachsen und an Betsy hing ich auch noch zu sehr. Genuegend gute Gruende also. Die Seite, einfach weiterzuziehen wies dagegen wenig positives auf.
Mit einem Mal kippte die ganze Situation. Sa Lor hatte ploetzlich keine Zeit mehr fuer Unterricht. Damit war mein Minijob vorbei. Allerdings konnte ich ueberraschender Weise auch wieder Geld aus der Wand ziehen. Alles beim alten also. Weiter gehts. Oder nicht? Obwohl von den urspruenglichen Gruenden, aus denen ich geblieben war nun keiner mehr existierte, konnte ich mich mit dem Gedanken einfach weiterzuziehen nicht anfreunden. Der Alltag, den ich mir herbeigewuenscht hatte hielt mich jetzt gefangen. Ich fuerchtete ich wuerde Sa Lor vermissen, den Markt, oder die Bettelkinder mit denen ich mein taeglich Obst teilte. Was ich brauchte war ein Tritt. Eine kleine Hilfe, die in Form eines neuen Freundes kommen sollte, mit dem ich schliesslich zusammen weitergezog und tolle Abenteuer erlebte.
Selbst in einer Woche kann Alltag also schon zu Feigheit und Traegheit fuehren. Wie ist das bei dir? Wie lange steckst du schon in deinem Alltagtrott? Wann hast du das letzte mal darueber nachgedacht, was dich in deine momentane Situation gebracht hat und was aus diesen Gruenden wurde? Der Grund fuer die meisten Menschen, in ihrer Position zu verharren ist Sicherheit. Gefaehrlich, denn Sicherheit macht dumm. Sicherheit ist nichts anderes als ein Hindernis, seinen Horizont zu erweitern. Ein gefaehrliches Konglomerat aus Feigheit und Traegheit, das sich selbst erhaelt.
Denk mal drueber nach: Was passiert, wenn du dein Haus abrennst, alles stehen und liegen laesst und ein neues Leben am andern Ende der Welt anfaengst? Richtig: Nichts! Ich empfehle niemanden die Bruecken hinter sich einzureissen, doch eines solltest du nicht vergessen: Du hast dir schonmal ein Leben aus nichts aufgebaut. Nur dass du beim letzten mal noch nicht den Erfahrungsschatz hattest, der dir jetzt taeglich zur Verfuegung steht. Du kannst das besser und vielleicht landest du dieses mal ja nicht in einer Sackgasse.
Der zweite Hauptgrund aus dem Menschen feststecken, ist Angst. Hauptsaechlich davor Unrecht zu haben. Stell dir vor, du laesst alles stehen und liegen und stellst dann fest, dass es ein Fehler war. Peinlich oder? Nur fuer Dummkoepfe. Fuer die anderen ist es hin und wieder noetig. Menschen streben nach Glueck. Und sie sind neugierig. Das ist ihre Natur. Dafuer musst du dich nicht schaemen. Schon gar nicht vor dir selbst. Scham ist nur eine Ausrede. Aber wieso liest du das eigentlich, wenn es Christian Zuebert in seinem Meisterwerk Lammbock doch schon verfilmt hat? Die ersten inspirierenden, philosophischen fuenf Minuten dieses Videos werden dich nun sanft in die reale Welt zurueckgeleiten. Viel Spass mit dem Ich-bin-nie-zufrieden-Mann. Moege er dich inspirieren Zufriedenheit zu finden.
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