Rumsitzen in Mondul Kiri – das Universum in fünf Handyläden
Als wir gegen Mittag nach Sen Monorom (die Hauptstadt der Provinz Mondul Kiri) kamen, waren wir erstaunt. Das geschäftige Treiben, das man sonst aus noch so kleinen kambodschanischen Städchen kennt, schien hier, in den Bergen am Ende der Welt, nicht zu passieren. Vielmehr schien es uns wie eine Kulisse aus einem Western: Wir trotteten vorbei an Häusern entlang einer einzigen Hauptstaubpiste, und alle Köpfe drehten sich zu uns, den Fremden Weißen. Nicht einmal die sonst übliche Dauerbeschallung aus Megaphonen von Markt und Tempel, die Kambodschaner so zu lieben scheinen, fand statt. Nein, es war ruhig, und die Hitze war erträglich. Das war ein Grund, warum wir nach Sen Monorom gekommen waren. Die Berge. Ein paar Grad weniger als in der Staubhölle auf Meereshöhe.
Es gab noch zwei andere Gründe. Eigentlich wollten wir irgendwo auf dem Land Kindern und Mönchen Englisch beibringen. Eigentlich sollte das kein Problem sein. Aber unser Timing war schlecht: In wenigen Tagen war Khmer New Year und das ganze Land war im Ausnahmezustand. Kein Gedanke an Schule. Na gut, Khmer New Year war der dritte Grund. Man hatte uns gesagt, daß man das am besten auf dem Land feiert. Alle fuhren nach Hause aufs Land zu ihren Familien. Die Städte verwaist. Aber auch hier gab es ein Timingproblem: Niemand weiß genau, wann denn nun Khmer New Year ist. Irgendwann zwischen dem 11. und dem 16. April, so scheint es. Es könnte also noch ein paar Tage dauern. Ein paar Tage am Ende der Welt.
Zeit, um ein Projekt anzufangen, das wir schon länger im Sinn hatten: Auf einem Stuhl sitzen und die Straße beobachten. Ein klassischer Zeitvertreib nicht nur für alte Leute in Ländern wie Marokko, Griechenland oder auch Kambodscha. Wir hatten das schon öfter gesehen, und Julian hatte es in Griechenland auch schon mal ausprobiert. Sen Monorom schien wie geschaffen dafür.
Eigentlich wollten wir uns während der gesamten Öffnungszeit in einem zentral gelegenen Restaurant aufhalten. Aber so hart waren wir nicht. Kambodschaner stehen um 4 auf. Immerhin fanden wir uns zu unserer Frühstückszeit gegen 12 dort ein und verbrachten etwa 7 Stunden in dem Etablissement. Mitten in Sen Monorom. Wir hätten uns nicht vorstellen können, wie anstrengend und atemlos diese 7 Stunden werden würden.
Der Laden war voll mit den Männern Sen Monoroms, die die Feiertagswoche mit dem Beobachten von zwei Muay Thay-Kämpfen gleichzeitig im Fernsehen verbrachten. Oder Domino mit Gangsterattitüde und um viel Geld. Wir konnten díe Kämpfer kaum auseinanderhalten – immer zwei kleine Asiaten in roten und blauen Shorts – und fanden es erstaunlich langweilig anzuschauen. Dann fragten wir uns erfolglos, warum Domino eigentlich funktioniert, also warum immer jemand setzen kann. Falls jemand einen kurzen Beweis hat, bitte melden. Schließlich wandten wir uns doch der Straße zu. Auch da passierte ständig etwas. Keine halbe Minute, in der nicht jemand ins Restaurant kam oder ging. Hunde, Vögel, Fischeputzen. Busse, Kinder, und viele viele Motos. Im Hintergrund immer das Gebrüll der Fernsehmenge. Man kam nicht zur Ruhe. Dabei war das Interessanteste, was in mir selbst vorging.
Zunächst mal erstaunliche Widerstände: Langeweile, Ablehnung, Müdigkeit, das Essen schmeckt mir nicht, all das geht mir doch am Arsch vorbei … jede Art von Negativität war zu beobachten. Aber ich blieb einfach da, beobachtete all diese Zustände und sprach mit Julian darüber, genau wie über das äußere Geschehen. Genau wie das äußere Geschehen war es ständig in Bewegung und wandelte sich. Schließlich kamen doch solche Sachen wie Akzeptanz, Erkenntnis, und das Gefühl, daß das alles ja in mir vorging, und alles gleich bedeutend oder nicht bedeutend war. Vielleicht das Beeindruckendste: Wie unerhört tief, detailreich und komplex die Wirklichkeit war – je genauer man hinschaute, desto mehr passierte. Schier unendlich, was sich in diesen Stunden in einem 200m Straßenausschnitt, einem Restaurant und zwei Köpfen ereignete. Ich hatte das Gefühl, dieses Rumsitzen und Beobachten war das Verrückteste, Radikalste, was ich je getan hatte. Und daß das Zentrum von Sen Monorom, einem 6000-Seelen-Ort, noch viel zu stressig für dieses Unterfangen ist. Nächstes Mal im Wald. Versuch es doch auch mal, wenn Du Dich traust. Einfach irgendwo hin setzen, da bleiben und beobachten. So lange wie Du kannst.
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[...] but Khmer New Year. Which should be today according to our information, which isn’t much. Yet the streets we had inspected so minutely during the days before look largely unchanged. Well, the [...]
beim domino bekommt jeder 6 oder 7 steine.
daher kann es esehr wohl vorkommen, dass einer nicht legen kann, er muss somit einen neuen stein ziehen, oder, falls keine vorhanden, ist der nächste spieler am zug….
es ist auch ein unentschieden denkbar, wenn an den jeweiligen enden jeweils eine 6 liegt und in der reihe selber noch 5 mal die 6 liegt.
daher ist eben auch ein unentschieden denkbar, auch wenn noch alle spieler steine auf der hand haben.
Daß nicht immer jeder ziehen kann ist klar, sonst wäre das Spiel ja trivial. Aber geht es wirklich, daß keiner spielen kann? Das hätte ich nicht gedacht. Würde gerne mal so eine Konstellation sehen. Danke jedenfalls für den Kommentar!
ich stell dir mal ne kollektion zusammen, und fotografier es mal