Das große Sagesex-Reiseresümee: Thailand

Geschrieben von stefan am 23. März 2010

Thailand war die erste Station auf der Sagesex World Tour 2010, und wir sind jetzt seit fast 5 Wochen hier. In einigen Stunden geht es weiter nach Kambodscha. Obwohl es allgemein sehr weise ist, auf Bewertungen so weit wie möglich zu verzichten, finden wir es ist an der Zeit, ein paar subjektive Beobachtungen anhand völlig subjektiver Kriterien zusammenzufassen. Ob Du überlegst, vielleicht mal hierher zu reisen, ob Du schon mal hier warst und darüber lachen willst, wie wir die Welt mißverstehen, oder ob Du einfach nur etwas mehr über eine faszinierende Kultur erfahren willst – Willkommen zum großen Sagesex-Reiseresümee Thailand Teil 1.

Bangkok, Thailand - grau und golden

Bangkok, Thailand - grau und golden

Bangkok

Die Hauptstadt von Thailand wird wie wohl wenige andere Städte auf der Welt romantisiert: Sex und Tempel, geheimnisvoll und exotisch – so haben wahrscheinlich nicht nur wir uns Bangkok vorgestellt. Sagesex hat in den vergangenen Wochen schon einige Geschichten über diese Stadt erzählt und Bilder gezeigt, aber wie ist sie wirklich? Aufregend und anstrengend, spannend, golden, bunt und grau. Sehr laut. Sehr stressig. Und sehr überraschend. Aber dabei irgendwie … normal, fast ernüchternd. Die Mystik, die Exotik, die wir den Reisekatalogen so gerne glauben, wird immer wieder enttäuscht, wenn man anfängt zu verstehen, wer alles davon profitiert, Klischees zu verkaufen: Thailand, Bangkok, die Hotels, die Prostituierten, die Taxifahrer, die Reiseveranstalter, die Händler, die Medien, … und nicht zuletzt unsere eigene Fantasie.

Wohlgemerkt, nach insgesamt vielleicht zwei Wochen Bangkok verstehen wir sicherlich nur einen winzigen Bruchteil seiner Realität – und langjährige Expats versichern uns regelmäßig, sie würden immer wieder von der Thailändischen Kultur überrascht. Das ist wohl das sicherste, was man über Thailand im Allgemeinen und Bangkok im speziellen sagen kann: hinter jeder Straßenecke wartet wieder eine Überraschung, eine Herausforderung.

Nehmen wir zum Beispiel die Tempel: Bangkok ist tatsächlich voller schöner Wats (Tempel), und Wat Pho ist sicherlich der schönste, den wir je gesehen haben: Jede Menge Buddhas, Gold und spirituelle Schönheit. Alles für eine mehr oder weniger freiwillige Spende von 40 Baht. Der Berühmteste dagegen, und vor allem so eine Art Nationalheiligtum, ist sicherlich der Smaragdbuddhatempel. Wir waren nicht drin. Man kann ihn nur zusammen mit dem alten Königspalast besuchen, und das kostet für Farang 350 Baht (für Thais gratis). Ich weigere mich auch in Europa, Eintritt für Kirchen zu bezahlen, und diese Absurdität will ich nun wirklich nicht unterstützen – auch und gerade als Buddhist.

Ein weiteres Beispiel, zum Thema Sex: Als wir an einem Mittwoch gegen zwei Uhr nachts mit dem Bus nach Hause fahren, kommen wir an einer Straßenecke namens Nana vorbei. Hier tobt das Leben: Bars und Stände überall. Plötzlich strömen hunderte Menschen über die Straße und gehen in eine Richtung. Fast alles junge Frauen. Wir denken uns, naja, um zwei ist Sperrstunde, und gestern hat uns jemand erzählt, daß die Ferien heute anfangen. Aber so viele Mädchen! Toll, heute sind wir zu müde, aber morgen sehen wir uns dieses Viertel mal genauer an. Als wir am nächsten Abend zurückkommen, wird uns schnell klar, daß es in diesem Viertel, und wahrscheinlich auf der ganzen Sukhumvit Road, zwar mindestens drei mal soviele Frauen wie Männer gibt, aber ausschließlich (!) Prostituierte. Es kann durchaus mal einen Abend lang witzig sein, sich mit Nutten zu unterhalten, aber irgendwie seltsam fanden wir es schon. Was uns zum nächsten Thema bringt.

Sex

Wohl kein Thema wird im Westen so mit Thailand und besonders mit Bangkok verbunden wie Sex. Was ist dran? Nun ja, es ist kompliziert. Es sei denn man ist alt und reich, steht auf junge Mädchen und denkt nicht so viel darüber nach: Dann ist man mit ca. 2000 Baht pro Nacht in Bangkok dabei (in Patthaya soll alles ein bißchen billiger sein – ‘das “verwerflichste”, was ich je gesehen habe’, wie uns ein deutscher Student Patthaya Walking Street beschrieb). Zwar sind Nutten in Deutschland für ähnliche Preise zu haben, aber wohl nicht die ganze Nacht.

Für Schöngeister ist das nicht unbedingt etwas, zumal wir allen Prostituierten, die wir getroffen haben (und wie gesagt, es gibt ganze Stadtviertel voll davon), eine gewisse Schäbbigkeit attestieren müssen. Es ist schwer in andere Worte zu fassen: Es äußert sich meistens in körperlicher Erscheinung, scheint aber ursprünglich eher eine seelische Zeichnung zu sein. Man liest oft, Prostitution sei in Thailand völlig normal und anerkannt. Andererseits ist die thailändische Gesellschaft unheimlich prüde und von Mädchen wird oft Jungfräulichkeit bis zur Ehe erwartet. Wie paßt das zusammen? Wie gesagt, es ist kompliziert.

Und außer Prostitution? Da wird es noch komplizierter. Es ist scheinbar für Thailänderinnen sehr wichtig, für ihre Familie zu sorgen, und das scheint die wichtigste Anforderung an einen potentiellen Partner zu sein. Was die Grenze zur Prostitution fließend macht. Farang gelten als unermeßlich reich. Aber nicht nur deshalb scheinen Thailänderinnen sehr auf westliche Männer zu stehen (vermutlich auch Thailänder auf westliche Frauen, wobei das vielleicht in die andere Richtung nicht immer der Fall ist – zu klein): Neben der Größe sind es wohl vermutlich vor allem die Medien, die Westler hier als Ideal verkaufen.

Interessant fanden wir auch, daß die Thaikultur als ganzes sehr stark verweiblicht erscheint: Ladyboys sind nur eine extreme (aber hier völlig normale) Ausprägung. Männer sind in Aussehen und Verhalten für westliche Augen eher feminin, Frauen oft sehr resolut. Es scheint auch tatsächlich einen unerklärlichen Frauenüberschuß zu geben. Insgesamt ein komplexes und höchst interessantes Thema – sicherlich ein lohnenswertes Projekt, falls es noch kein Buch darüber gibt. Vielleicht kann mir ja jemand eins empfehlen.

Danke für das Lesen meiner Eindrücke. Übermorgen setzt Julian mit Teil 2 des großen sagesex Reiseresümees fort – diesmal geht es um Essen, Gastfreundschaft und mehr …

Popularity: 10% [?]

23Mrz

2 Antworten zu “Das große Sagesex-Reiseresümee: Thailand”

  1. RedBullMary77 sagt:

    Und im Hinterkopf regt sich irgendwie die Frage: Na, hat er der Autor, oder hat er nicht? Hihi.

  2. admin sagt:

    Hihi. Sagesex ist ja für seine Diskretion bekannt. Sagen wir mal, es kommt darauf an …

Gib eine Antwort