Das große Sagesex-Reiseresümee: Thailand Teil 2
Essen
ist in Thailand stark mit Läuterung verbunden. Mit Gewürzen wird nicht gegeizt und mit Chili schon gar nicht – nicht umsonst zählt die Thaiküche zu den schärfsten der Welt. Man schwitzt, man keucht und kämpft mit seinem Teller bis er schließlich leer ist und freut sich, ihn bezwungen zu haben. Nicht, dass man eine Wahl hätte: Die meisten Gerichte sind gleichzeitig nämlich ein echter Gaumenschmaus. Es scheint vor allem auf die Balance anzukommen. Wenn ich nun 15 Zehen Knoblauch für ein Gericht mit 500g Reis benutze, muss ich folglich auch 15 Chilischoten und 5 Bünde Thai-Basilikum nehmen, dann gleichen sich die Extreme wieder aus. Ich erhalte einen intensiven, aber ausgewogenen Geschmack.
Das Kochen selbst geht rasend schnell und sieht bei Thaimamas erstaunlich simpel aus. Straßenstände, die oft 20 Gerichte anbieten, die meisten davon variabel in der Fleisch-, Fisch- oder Tofubeilage, sind oft kleiner als Kochnieschen in Studentenwohnheimen und auch nicht besser ausgestattet. Ein Gaskocher, ein Wok, ein Reistopf, einige frische Zutaten. Dies und das, ein Spritzer hiervon, etwas Fischsauce, zweimal umrühren und fertig. Ein Gericht ist geboren. Die Köchin tauft es “Schwein mit Chili” (Wirklich, die meisten Thaigerichte haben genau solche deskriptiven Namen, bloß eben auf Thai). Wesentlich hierbei ist, dass die intensivsten Gerichte meist mit massenhaft Reis verzehrt werden, um es erträglich zu gestalten.
Für alle, denen das zu langweilig ist, steht natürlich ein Gewürzregal an jedem Tisch bereit: trockene Chilis, Essig mit frischen Chilis und Zucker. Falls nicht, gibt es auf jeden Fall eine Schüssel mit Nam Pla (Fischsauce) dazu und wie könnte es anders sein, selbstverständlich schwimmen frische, gehackte kleine Chilis darin. Ein wahres Zaubermittel des guten Geschmacks. Alles, worüber man es gibt, wird intensiv, scharf und rund im Geschmack. Schärfer als Pfeffer, besser als Salz: Nam Pla – der Sagesex Würz-Tipp der Saison.
Zweifellos das Beste an Essen in Thailand ist jedoch, dass man es ständig und überall bekommt. Straßenstände gibt es überall. “Nachtmarkt” ist nur ein Synonym für eine Fressmeile mit einigen Plastiktischen und –stühlen, an der sich abends das ganze Dorf zusammenfindet und isst und trinkt. Essen hat hier eine wichtige soziale, fast rituelle Rolle. Restaurants und Garküchen von Thais oder Chinesen säumen die Straßen von großen und kleinen Städten. Und wenn man mal doch nichts findet? Einfach mal einen Einheimischen nach dem nächsten Restaurant fragen, bzw. mit fragendem Gesicht Essen pantomimisch darstellen und mit etwas Glück lernt man die sie kennen: Die thailändische
Gastfreundschaft
Bei genau einer solchen Begebenheit wurden wir nämlich einmal zu viert auf einen Mopedbeiwagen gepfercht und als der gute Mann kein offenes Restaurant im Dorf entdecken konnte, hat er uns mit den Worten “home home”, kurzerhand zu sich eingeladen. Erst wurde auf dem Markt eingekauft, dann suchte er seine Frau bei allen Nachbarn, die uns dann in Windeseile ein köstliches Menü zubereitet hat. Währenddessen bekamen wir Coke serviert, durften wir in den Familienfotos stöbern und unter den staunenden Augen des halben Dorfes selbst welche mit den Gastgebern schießen. Schließlich wurden zwei weitere Fahrer rekrutiert und wir standesgemäß auf Mopeds zu unseren Bungalows gefahren.
Ein anderes mal wurde ich von einem jungen Mädchen aus einer Bar in eine kleine Hüttensiedlung in der Gegend geschleppt. Ich war zu diesem Zeitpunkt mit Tao, einem 20-jährigen Chinesen unterwegs, der einige Worte englisch sprach und mir versichern konnte, sie sei keine Nutte, was mich irgendwie beruhigte, dann stotterte er “no sex, just talk”, was mich einerseits natürlich enttäuschte, vor allem aber verwunderte. Das Mädchen sprach nämlich kein Wort englisch. Genau wie ihre 7 Nachbarn/Mitbewohner, die alle im Studentenalter waren. Die trommelte sie um zwei Uhr Nachts alle zusammen, so dass sie mich mit großen Augen bestaunen konnten. Dann fingen sie an zu kochen und zu grillen und um drei saßen wir im Kreis auf dem Boden der Veranda und schmausten vor uns hin. Alle kicherten bei jeder Bewegung, die ich machte. Tao erklärte mir immer wieder, was für eine Ehre es für meine Gastgeber sei, dass ich hier mit ihnen zusammen esse. Wenn’s weiter nichts ist…
Diese echte liebenswürdige Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erlebt man in vielen Momenten im täglichen Leben. Nicht selten kommen einem schon wenn man in einem neuen Ort aus dem Bus steigt Einheimische entgegen und wollen einem helfen, sich weiter zurechtzufinden. Noch öfter jedoch sind es Taxifahrer, die großes Geld riechen. Wie schon gesagt, Weiße gelten als unermesslich reich und so umkreisen Bauernfänger wie Geier Busbahnhöfe, Hotels und Touristenattraktionen. “Taxi?”, “Where you go?”, oder einfach nur “You!” gehören zu den Phrasen, die man in Touristengegenden nach wenigen Tagen einfach nicht mehr hören kann. Jedes mal, wenn wir uns einen Preis für eine Wegstrecke vom Reisebüro oder eine längere Taxifahrt haben sagen lassen, sind wir am Ende für weniger als die Hälfte ans Ziel gekommen. Aber auch hier sind die Übergänge natürlich fließend. Manche wollen helfen, manche wollen Geld, manche helfen gerne, aber noch lieber für eine deftige Taxi-Kommission und die meisten denken tatsächlich, Farang fahren nun mal gerne Taxi für unverschämte Preise.
Immer daran denken: Vielleicht wollen sie also wirklich nur helfen. Wenn man einfach lächelt, ruhig und freundlich bleibt und über Unverschämtheiten und Missverständnisse lacht geht vieles gleich viel leichter. Freundlichkeit und Geduld sind Tugenden, die man in Thailand wirklich zu schätzen lernt. Nie sieht man Thais wütend und doch funktioniert alles in ihrem Land. Man kann mit Sicherheit viel von dem Volk lernen, aber diese Dinge sind so einfach und offensichtlich, dass sie einen in einem Monat schon verändern können – mach es wie die Thais!
All denen, die einen tieferen Einblick in die Thaikultur möchten, legen wir folgendes Buch ans Herz: Typisch Thai: Alltagskultur in Thailand
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