A Vagabonds Guide to Life 2 : Family

Geschrieben von julian am 18. Juli 2010

“Spaeter heirate ich und habe Kinder” sagt der kambodschanische Klischeeschwule waehrend er mit seinem Kameraden schmust. Fast jeder hat sie und die meisten wollen sie vergroessern und weiterfuehren. Familie ist ein globales, fuer Menschen essentielles Phaenomen; ohne es scheint Leben kaum denkbar. Doch Familie muss nicht Vater, Mutter und Kind sein. Familie ist ein Lebensgefuehl, das man in die Welt tragen kann.Der Ursprung der Familie ist evolutionaer gegeben. Aus Gruenden der Verteidigung und Nahrungssuche waren Menschen schon immer Familientiere. Spaeter wurde sie aus finanziellen Zwaengen Pflicht fuer jedermann. Keine Kinder bedeutete niemanden zu haben, der einen ernaehrt, wenn man selbst zu alt dazu wird. Wenn diese Gruende auch spaetestens mit Erfindung der Rente fuer westliche Zivilisationen viel an Wert eingebuesst haben, bleiben doch die Rudeltierinstinkte, die uns ein Gefuehl von Sicherheit geben, wenn wir Teil einer Gruppe sind.

Diese Instinkte koennen bei verschiedenen Menschen auf unterschiedliche Weise ausgepraegt sein. Familie kann vieles bedeuten. Fragt man allerdings Menschen, die mit ihrer Familie von grundauf zufrieden sind, was das Wort fuer sie bedeutet, laueft es meistens auf eines hinaus:

Bedingungslose Liebe

Jemand ist fuer dich da. Egal was passiert, du kannst es jemandem erzaehlen, der dich fuer nichts in der Welt verurteilen oder gar verstossen wird. In der Realitaet funktioniert dieses Konzept selbstverstaendlich nicht immer. Deine biologische Familie waehlst nicht du, sie wird dir erteilt. Das bedeutet nicht, dass es fuer manche Menschen nicht moeglich waere, ihre Familie zu lieben. Es heisst lediglich, viele Menschen lernen diese Form der Liebe nicht oder spaet, da sie sie nie von ihrer leiblichen Familie erfahren haben. Ein grosser Teil dieser Menschen lernt lieben durch einen Partner, Freunde, manche trainieren lieben auch bewusst.

Letzteres ist, was jeder von uns tun muss, um das Gefuehl “Familie” mit sich zu haben, um es in die Welt tragen zu koennen. Ebenso zufaellig, wie dir deine Familie erteilt wird, triffst du Menschen auf deinem Weg; mit dem Unterschied, dass du gegenueber Menschen die du kennenlernst Erwartungen und Vorurteile hast, was einem neugeborenen Kind natuerlich nicht moeglich ist. Sie machen lieben zu einem langen, schwierigen Prozess.

Bemühe Dich aktiv, Menschen naeher zu kommen, die dir auf den ersten Blick merkwuerdig erscheinen, die nicht in dein Beuteschema fuer Freundschaften passen. Viele deiner Vorurteile werden sich dadurch bestaetigen. Es ist also nicht unbedingt nuetzlich, um seine Vorurteile abzubauen. Zumindest lernst du sie dadurch aber kennen und meist wirst du feststellen, dass man seine Erwartungshaltungen sinnlos bewertet. Es ist nicht gut oder schlecht, wenn jemand Baggies und Basecaps traegt, oder 70 Jahre alt ist, es ist lediglich ein Indikator fuer gewisse andere Eigenschaften die diese Person wahrscheinlich hat. In jedem Fall mindert es nicht seinen Wert als Gespraechspartner, Freund und schon gar nicht als Mensch. Genau das bedeutet “bedingungslos” lieben.

In den letzten Wochen habe ich den Wert von Familie kennengelernt. Nach einigen Wochen, die ich allein verbracht habe, musste ich feststellen: Es ist nicht schoen allein zu sein. Ich begann, Menschen schaetzen zu lernen. Nicht fuer das, was sie tun, sondern fuer das, was sie sind – einzigartige Persoenlichkeiten. Jeder einzelne. Ich begann sie zu lieben, einen nach dem anderen. Meine Familie wechselte in der letzten Zeit mal alle paar Tage, einige blieben mir fuer Wochen erhalten. Sie bestand aus Menschen verschiedenster Nationalitaeten, Blindungsgraden und jeden Alters. Manche sprachen nicht einmal eine gemeinsame Sprache mit mir, dennoch fuehlte ich mich von Tag zu Tag wohler und geborgener.

Die Regel ist einfach. Jeder ist es Wert geliebt zu werden und beinahe jeder wird dir Liebe zurueckgeben. Manchmal womoeglich in Formen, die du nicht gewohnt bist. Manchmal muss dein Partner auch erst lieben lernen – in diesem Fall kannst du stolz sein die Person zu sein, die es ihm beibringt. Geliebt werden ist das Gefuehl, das Menschen mit funktionierendem Familienhintergrund mit ihrer Familie verbinden. Die Rechnung ist einfach: Lieben bedeutet, geliebt werden; geliebt werden bedeutet Geborgenheit und Geborgenheit bedeutet Familie.

Ich weiss: Das ist total out, das ist Hippieshit. Wenn du jedoch ueber dieses Vorurteil mal hinwegkommst und das Wort Liebe fuer dich den kitschigen Touch, den Buch und Film ihm geben verliert, wirst du feststellen, dass Familie ein wundervolles Gefuehl ist. Unabhaengig davon, wer gerade deine Familie ist. Probiere es! Liebe deinen naechsten wie dich selbst!

Popularity: 8% [?]

18Jul

3 Antworten zu “A Vagabonds Guide to Life 2 : Family”

  1. Urst sagt:

    Hey Juli, Du hast da ein saucooles Wort erfunden:
    ,,Blindunggrade”! Meinst Du das im Wortsinn oder metaphorisch?

  2. Hänsel sagt:

    Happy Birthday dear Julian, und noch Ketchup dazu!

  3. Big Mama sagt:

    schön geschrieben!

Gib eine Antwort